Cogito – ergo sum!

Ich denke, also bin ich!

Und ich denke durch Sprache. Sprache verleiht mir also ein Sein.

Doch sicher verleiht mir nicht jedes nur sprachliche Gefasel ein Sein!

Ich denke und zweifle im sinnhaltigen Dialog. Der sinnhaltige Dialog ist also die Sprache, die mir ein Sein, ein sinnhaltiges Sein verleihen kann.

Und nicht nur das eigene Sein wird so durch Sprache verliehen, sondern auch jegliches andere Seiende außerhalb meiner selbst, das ich – durch Sprache und durch Gedanken – erkennen kann. Denn nur so kann etwas in meiner Welt zum Seienden erhoben werden.

Der sinnhaltige Dialog, die sinnhaltige Sprache ist damit das in meinem Leben allen Sinn und alles Sein Stiftende.


 

Was ist „philosophisch“?

Für Babett, die Philosophische!

Manchmal, leider nur selten, werde ich gefragt wann denn etwas philosophisch ist und wann nicht.

Dann versuche ich zu antworten: Philosophisch ist, was die Selbstverständlichkeiten unseres Lebens durch ganz gezielte Fragen und klare, eindeutige Antworten besser zu verstehen versucht. Und damit ist auch die Frage, wann denn etwas philosophisch ist und wann nicht, selbst schon philosophisch. Denn genau hier wird die so ganz selbstverständliche Meinung über etwas auf ihren verlässlichen Gehalt untersucht.

Die Praxis sieht oft viel einfacher aus. Aber es kann nie schaden, zu wissen, was man tut!


 

Die Persönlichkeit hinter dem Geschriebenen

Die Persönlichkeit hinter dem Geschriebenen

Wenn wir einen Satz, mehrere Sätze, einen Bericht, einen Brief, eine Erzählung etc. schreiben und „zu Papier bringen“, so ist das oft weitaus mehr, als die Umsetzung unserer Gedanken in eine andere, wieder nachvollziehbare Form. Allein dies hätte auch selten die emotionale Intensität, die das Schreiben für manche von uns beinhaltet, hervorrufen können.

Kennen Sie auch Schreib-Blockaden?

Im Schreiben bekennen wir uns zu etwas. Wir bekennen: „So ist es“ oder „So ist es gewesen“. Vielleicht ist es auch nur ein „So könnte es sein“ oder ein „So könnte es gewesen sein“ – und dennoch ist es ein Bekenntnis. Selbst wenn wir alle individuellen Erfahrungsvermögen und eine Freiheit der individuellen Weltsichtweise mit einbeziehen ist es ein Bekenntnis. Oder sogar: Dann ganz besonders und dann erst recht. Wir stehen mit unserer Persönlichkeit hinter dem Niedergeschriebenen.

Wenn wir einen Gedanken zu Papier bringen, bringen wir ihn damit zur Welt. Das ist eine Geburt! Wir gebären einen Gedanken aus den Tiefen unseres Hauptes und konfrontieren ihn mit dem Licht der Welt. Und wir konfrontieren unseren Gedanken, unsere Gedanken, unsere Persönlichkeit mit den bewertenden Blicken der Anderen; es sei denn, wir schreiben in unser abschließbares, stets verschlossenes Tagebuch.

Und selbst dann, wenn wir nur für uns und nur für unser Tagebuch schreiben, fällt das Schreiben bisweilen schwer, bereitet Mühe, beschert Angst. Denn indem wir ein Gedankengebilde, ein Gedankenbild, in einen Satz oder zu Sätzen formen, gießen wir unsere allen – und auch uns selbst – verborgenen Gedanken in die Formen der Logik und des Logos (gr. λογος,  logos) und verleihen ihnen dadurch ein Sein, das die Seinsstufe unserer geheimen krausen Gedanken und Phantasien bei weitem überragt.

Indem wir schreiben, etwas zu Papier bringen, nach außen bringen, zur Welt bringen, gebären wir. Wir sind kreativ. Wir sind Schöpfer, Kreatoren, wir erschaffen Welt. Zumindest erschaffen wir eine in unseren Augen mögliche Welt. Eine Welt zu der wir uns bekennen; unser Gewissen, unsere Ehre ermahnt uns, uns zu dieser Welt wie zum eigenen Kind zu bekennen. Wir stehen für unser Geschriebenes und zur Welt Gebrachtes ein, müssen dafür einstehen. Wenn auch nicht vor Gericht oder vor anderen Menschen, so doch vor der weitaus höheren Warte der eigenen Persönlichkeit.


 

Schreiben / Das Gewitter

Da ist sie wieder, diese Idee,
diese Idee, die nichts weiteres neben ihr zulässt,
die alles andere verdunkelt,
diese Idee, die sich nach vorn drängt und von mir Besitz ergreift.

Dann kommt das Gewitter.

Ideen und Gedanken blitzen auf.
Eine Idee, die nächste Idee, die nächste fordert die nächste heraus, fordert sie auf zu jagen und gejagt zu werden,
stärker zu sein, schneller zu sein, heller zu sein.

Ein Gedanke taucht auf. Der nächste treibt ihn, will ihn verdrängen, bezwingen, verjagen,
will Sieger sein.

Ideen und Gedanken ringen und schlagen aufeinander ein, vernichten sich gegenseitig, wollen als Einzige überleben, die stärksten sein.

Stunden, Tage sind vergangen
in Freude, mit Schmerz.
Jetzt bin ich müde, ich mag nicht mehr,
ich bin erschöpft,
fast alles scheint egal zu sein.

Ich ordne die Trümmer,
höre noch das Grollen des Donners in der Ferne,
höre, dass endlich Ruhe ist in meinem Hirn.
– In meinem Hirn? – mit mir selbst und meinem Willen hat das schon lange nichts mehr zu tun!

Ich schreibe, um zu retten, was noch zu retten ist.

Ich schreibe,
das Grollen verhallt, es herrschen wieder Ruhe und Frieden.

Jetzt, nach dem Gewitter ist die Luft klar und rein,
im Garten ist es kühl.
Ich atme tief ein und atme tief aus, spüre die feuchte Luft
und staune über dieses seltsame Leben.

 

Michael Gutmann
Berlin

Gedankenbereinigung

Unser eigenes natürliches Denken kann uns mehr zu schaffen machen, als wir zu vermuten bereit sind. Zahlreiche kleine miese Denkfehler schleichen sich ständig unbemerkt in unser Denken ein und mit vielen von Ihnen leben wir ja auch ganz brauchbar. Sie machen eben auch zum teil unsere Persönlichkeit aus.

In bestimmten Fragen können uns diese kleinen Denkfehler das Leben aber auch zur Hölle machen. Das zeigt sich dann durch Depressionen, Ängste oder einfach dadurch, dass wir ein Verhalten an den Tag legen, das uns weder glücklich noch erfolgreich sein lässt.

Wie schön, dass es den sokratischen Dialog gibt, der sicher wie ein Trüffelschwein diese fiesen Denkfehler findet, damit wir sie korrigieren und zu eine gesündere, bessere und erfolgreichere Lebenshaltung aufbauen können!

 

Michael Gutmann
Berlin

Lob der Sprache

oder: Im Anfang war das Wort!

Ganz egal, was wir denken – sobald wir denken, bewegen wir uns im Palast der Sprache, sind bei ihr zu Gast. Wir setzen uns an ihre reich gedeckte Tafel, bedienen uns all der Wörter, die sie uns anbietet und der grammatikalischen Regeln, durch die uns die Sprache erlaubt, einen Sinn in unser Gedachtes und Gesprochenes zu bringen.

Einen Sinn? – Ja, einen Sinn! Des Sinnes wegen sitzen wir ja so häufig zu Gast an dieser Tafel, an der wir gemeinsam mit anderen Menschen versuchen, unseren Appetit und unseren Hunger, diese besondere Art von Appetit und Hunger, zu stillen. Zu stillen oder zumindest so weit zu beruhigen, dass der Hunger uns nicht mehr quälen kann.

Die Tafel ist reich gedeckt; reich und verführerisch. Und wir sind eingeladen, uns frei zu bedienen. Was wir auch gerne tun. So lange, bis wir merken, dass wir uns vielleicht von manchem ein wenig zu viel aufgelegt haben, von anderem wieder ein wenig zu wenig, oder dass die Kombinationen auf unserem Teller gar nicht so recht zueinander passen wollen. Und dabei haben wir sicher schon alle einmal unser Wohlbefinden und unsere anfängliche Festtagesstimmung verloren.

Das kann passieren. Und weil es passieren kann, passiert es auch.

Wie könnten wir uns wohl am besten vor Übelkeiten schützen und unser freud- und lustvolles Wohlergehen bewahren?

 

Michael Gutmann
Berlin

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