Das Recht auf Glück

Glück

Die gegenwärtige 66. Berliner Biennale trägt das Motto: „Recht auf Glück“!

Wie schön! Ich bin sehr dafür, das Recht auf Glück in den Focus zu stellen. Da das Glück einen hohen Wert im menschlichen Leben darstellt, der nur allzu leicht in Vergessenheit geraten kann, freue ich mich über diese Erinnerung.

– Als Erinnerung! Nicht als Maßgabe!

Wir haben nicht nur das Recht auf Glück. Manchmal haben wir eben auch das Recht, unglücklich zu sein.

Vor allem haben wir das Recht auf Sinn!


Sinnlos glücklich!

Sinn

Sinnlos glücklich?

Man braucht den Sinn des Lebens nicht erkannt zu haben, um sinnlos glücklich sein zu können!

– – Oder vielleicht doch? — Funktioniert Glücklich-sein ohne Maßstab?

– – Das Glück der Kinder sicherlich. Das Glück des Philosophen wohl eher nicht.

Wäre es also besser, Kind statt Philosoph zu sein? – – Hm!


Vernunft und Leben

Kreativität

Wir haben nicht Verstand und Vernunft, um irgend ein beliebiges Leben zu verwirklichen.

Wir haben das Leben, um Vernunft zu verwirklichen! Nur dafür und deshalb!

Verwirklichung von Vernunft ist das Einzige, was menschlichem Leben wirklichen Sinn verleihen kann.


Feindbilder

Philosophische Therapie

Glücklich, wer ein Feindbild hat! So ein Feindbild ist sehr nützlich. Es ermöglicht zum Beispiel jedem Idioten, von keinerlei Selbsterkenntnis berührt, einen Standpunkt zu beziehen, sich aufzublasen als sei er jemand und mit ungeheuer großer Klappe über sein Feindbild herzuziehen.

Noch glücklicher dran ist der, der sein Feindbild mit vielen anderen teilen kann. Dann kann man nämlich gemeinsam schimpfen, gemeinsam phantasieren und gemeinsame Theorien erspinnen. Das ist noch viel schöner, als nur alleine zu schimpfen und zu meckern. Gemeinsam kann man dann auch auf die Straße gehen und (gemeinsam) lauthals brüllen.

Aber Achtung: Nicht allzu viele – auf keinen Fall die Mehrheit – sollten sich das gleiche Feindbild auswählen. Sonst wird es zum Common Sense und dann lohnt es sich nicht mehr zu meckern. Oder das meckern macht nicht mehr so recht Freude, wenn ja doch alle ja! ja! nicken.

Auf Inhalte kam es bei dam ganzen Procedere ja ohnehin nicht an …

(Lügenfeindbilder sozusagen …)


Selbstbewusstsein und Identität

Story

Ein Mensch, der ein Selbstbewusstsein besitzt, besitzt eine gewisse Identität. Persönliche Identität bedeutet, dass der Mensch sich als identisch mit etwas erkannt hat, dass er für dieses Etwas einsteht und dieses Etwas zu vertreten und zu verfechten bereit ist. Diese Identität sollte, damit sie zum Selbstbewusstsein beitragen kann, in Worte zu fassen sein. Und sie sollte durch allgemeine und persönliche Werte und Wertvorstellungen zu beschreiben sein. Denn nur so können wir sie verstehen. Und nur so kann auch derjenige, der diese Identität vertritt, sich selbst verstehen – ein Selbstbewusstsein besitzen, eine Selbsterkenntnis erlangt haben.


Genesung durch Sprache

Gesprächstherapien können nützlich, hilfreich und heilsam sein. Seit Sokrates können wir das wissen. Und seit jeher kann Mensch dieses erleben und erfahren; dieses Zu-Hause-Sein im Sein, im Sein der Sprache.

Und doch ist mir keine Therapieschule (außer vielleicht Viktor Frankls Logotherapie) bekannt, die die Heilsamkeit der Klärungen durch Sprache als Ursache ihrer Erfolge benennt. Da werden eher sehr einfach und menschlich gestrickte, lehrbare und lernbare  Verfahrensstrategien als Heilsursache benannt. Oder das fragwürdige Therapeut-Patienten-Verhältnis wird zum Heilsbringer erhoben.

In den Coaching-Bereichen, die eine Heilung des Menschen in der einen oder anderen Form anstreben, scheint es ähnlich zu sein.

Ist es so schwierig zugeben zu müssen, dass der Mensch über die Sprache und das Nachdenken über sich selbst zu seinem Selbst und damit zur Heilung gelangt; dass der Therapeut oder Coach nur als Gesprächspartner fungiert, um einem Menschen die Möglichkeit des Sich-Selbst-Aussprechens zu geben um ihm so den Zugang zu seinem Sinn und seinem Sein zu ermöglichen oder zu ebnen?

Wie wäre es, einmal einfach zuzugestehen, dass das „Sich hinenbegeben in Sprache“, dass freies, unverbogenes Sprechen mit einem offenen, neutralen, wertvollen Gesprächspartner das ist, was wir Menschen alle dringend brauchen und was uns auch in verfahrenen Situationen wieder auf unseren eigentlichen Weg zurückführen kann?


Zoon Logon echon

[Nicht neu:] Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Lebewesen (Zoon).

[Auch nicht neu:] Der Mensch ist ein sprachbegabtes Lebewesen.

[Vielleicht neu:] Der Mensch ist ein sprachnotwendiges Lebewesen. Begibt sich Mensch nicht in klares Denken und in klare Sprache (Logos), ist er kein Mensch; nur noch Lebewesen, nur noch Tier, nur noch fressendes und fickendes Tier.

Klares Denken durch klare Sprache ist Notwendigkeit, um überhaupt Mensch zu sein. Nicht nur fressendes fickendes Tier zu sein. Oder andersherum beleuchtet: Das Tier Mensch ist nur Mensch, um Sprache zu verwirklichen. Außerhalb der Sprache, des Logos, ergibt es gar keinen Sinn, Mensch zu sein, Mensch werden zu wollen, nicht einfach nur Tier zu bleiben. (… was dann doch manchen Menschen schwer fällt; Termiten können das besser).

Die Sprache und die Denk-Möglichkeiten durch Sprache verleihen dem menschlichen Leben erst Sinn. Im Sprechen kommt der Mensch zu seinem eigentlichen Mensch-Sein; im Sprechen findet der Mensch erst zu sich selbst. Deshalb ist es auch nicht unerheblich, was gesprochen wird, was gedacht wird. Denn so, wie wir in der Sprache, im Logos, erst zu unserem eigentlichen Selbst finden, so bestimmt das, was gesprochen wird, der Inhalt des Gesprochenen, darüber, auf welchem Weg wir unser Ziel erreichen. Und ob wir es überhaupt erreichen, bevor wir unser Ende finden. – Das hieße: Tier bleiben bis zu unserem Ende; ohne das Mensch-Sein jemals zu erreichen. – Ist ja auch ein Weg. Ein möglicher Weg. Eigentlich der normale Weg.

Warum also einen anderen, einen schwierigeren Weg gehen? – Wegen der Lust am Denken? – Nein, das reicht nicht; das wiegt die Mühe nicht auf! Also wegen der Idee, sein Mensch-Sein zu verwirklichen? – Nein, auch eine Idee kann die Mühen und Gefahren wohl nicht aufwiegen. Also wegen …

Den einzigen Grund kann es wohl nur geben durch ein „ich muss“! Um selbst nicht schmerzhaft der erkannten Sinnlosigkeit zu verfallen, sich selbst nicht unter Schmerzen und Qualen der erkannten Sinnlosigkeit anheim zu geben. Um Schmerzen und die Angst vor weiteren, noch schwerer zu ertragenden Schmerzen zu vermeiden.

Oder durch eine Liebe; eine erfüllte Liebe. Eine erfüllte Liebe zum Sinn und zum Sein, zur Wahrheit und zur Weisheit. Zur Philosophie eben.


Philosophie ist …

Philosophie ist die Suche nach Gedanken, die möglicherweise gut oder richtig oder wahr sind. Mehr können wir nicht leisten. Aber das ist, ernst genommen, schon eine ganze Menge.