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Philosophisch Visionen entwickeln


Wer schon einmal, vielleicht in der Schule, etwas vom antiken Sokrates gehört hat, der wundert sich vielleicht, dass hier, im Zusammenhang mit dem Philosophen Sokrates, das Thema „Visionen entwickeln" erscheint. Denn vielleicht haben Sie ja gelernt, dass Sokrates vor allem als ein Zerstörer von Gedanken, Ideen und Visionen bekannt war. Und da ist ja, was Sokrates betrifft, auch etwas Wahres dran. Schließlich brachte ihm das ja auch den allergrößten Ärger ein. (Sokrates wurde angeklagt und verurteilt; zum Tode!)
Schaut man dann aber einmal genauer hin, welche Gedanken, Ideen und Visionen der Philosoph Sokrates zerstört hat, so wird man rasch feststellen, dass es zwar sehr schön erscheinende Gedanken, Ideen und Visionen waren, dass diese Gedanken, Ideen und Visionen aber letztlich doch nichts taugten, weil sie nur auf Luft- oder Sprachblasen aufgebaut waren.
Was geschah nun – oder begeben wir uns doch ruhig in die Gegenwart – was geschieht nun mit einem Menschen, der zwar eine Vision besitzt, im beratenden und prüfenden Gespräch dann aber selbst feststellen muss, dass seine Vision nichts taugt?
Zum einen können wir annehmen, dass dieser Mensch im ersten Moment ein wenig geknickt, vielleicht auch verwirrt oder verärgert ist über diese philosophische Zerstörung seiner Vision.
Des weiteren können wir aber auch annehmen, dass dieser Mensch, sobald er sich wieder gefasst hat und zu klaren Gedanken fähig ist, sich nicht weiter ärgern wird über den Verlust, die Zerstörung seiner nicht tragfähigen Vision. Sondern glücklich und dankbar wird er sein, weil er erkennt, dass er von einer falschen Vorstellung befreit wurde, die ihn möglicherweise Kopf und Kragen gekostet hätte. Er wurde vor einem möglicherweise großen Irrtum bewahrt; er besitzt einen Irrtum weniger, es besteht keine Gefahr mehr, diesen möglicherweise gefährlichen Irrweg einzuschlagen oder weiter zu gehen.
Nun aber kommt das Beste: Da er sich nun nicht mehr einbildet, eine gute und wertvolle Idee oder Vision zu besitzen, von einer wahnhaften Vorstellung befreit, ist er nun frei dazu, nach einer kräftigen, gesunden, tragfähigen, tauglichen neuen Vision Ausschau zu halten. Er hat seine gedankliche Freiheit wiedergewonnen!
Zuvor, als er noch im Besitz der irrigen Vision war, die kaum zu Recht den Namen Vision verdient, konnte er nach keiner neuen Vision Ausschau halten. Denn niemals werden wir uns um eine Erkenntnis bemühen, wenn wir doch schon glauben, diese Erkenntnis zu besitzen. Nun aber, befreit von manchem geistigen Unrat, ist er wieder ein freier Mensch, der sich ungehindert auf die Suche begeben kann.
Dies ist die notwendige Voraussetzung dafür, eine neue Vision entwickeln zu können. Und für alles Weitere, das dann wesentlich leichter fällt, gibt es ja dann die konstruktive Philosophische Beratung.



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Die Sokratische Klärung der Gedanken zeigt sich also als notwendige Voraussetzung, um überhaupt wirkliche Visionen entwickeln zu können; um überhaupt wirklich kreativ sein zu können! Alle anderen Versuche, Visionen zu entwickeln ohne zu prüfen, ob sie auf einem festen Fundament stehen, sind geradezu absurd. Und meistens recht teuer und verlustreich, wie die Praxis zeigt.

 


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Meta-Title: SokratesBerlin: Durch Philosophische Praxis Visionen entwickeln

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